Biegertlodge Wiedereröffnung

Comeback

Claus Biegert in Bhutan, Image von Bettina Koller
Image courtesy Bettina Kohler

Wenn der digitale Virus einen heimsucht und den Webmaster zur Verzweiflung bringt, und die Biegertlodge weit über ein halbes Jahr von der Online-Umwelt abgeschnitten ist, dann ist die Rückkehr ins Netz doch ein Comeback. Oder nicht?

Wahrscheinlich wird die Frage gestellt werden: Was geschah in dieser Zeit? In dieser Zeit starb der Folksänger Pete Seeger, der seit 1979 immer wieder meine Pfade kreuzte (genauer: ich seine) und der 2010 zusammen mit Pattie Smith, Liam O’Moanlai, Peter Gordon und Joanne Shenandoah bei der Preisverleihung des Nuclear-Free Future Award in New Yorks Cooper Union aufgetreten ist. Fotos dazu finden sich auf: www.nuclear-free.com. Ebenso verließ uns Hans-Peter Dürr, der Astrophysiker und Gesellschaftskritiker, der die Arbeit des Nuclear-Free Future Award von Anbeginn begleitet hat und in den neunziger Jahren Berater für das World Uranium Hearing (1992 in Salzburg) war.

Nachrufe auf Pete und Peter gibt es auf Englisch und Deutsch, ebenso eine Story über Pete Seegers Erben, die unter dem Titel "Gefährliche Lieder" im Juli 2014 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist.

In der Zwischenzeit sind auch zwei Filme fertig geworden: EXIT 16 – ONONDAGA NATION TERRITORY und LEONARD PELTIER: I AM THE INDIAN VOICE (in englischer und deutscher Version). Dazu gibt es jetzt auch eine zusätzliche Film-Website – www.biegert-film.de –, die weiter nebenher laufen wird, als bewegte Biegertlodge sozusagen.

Beide Filme sind Eigenproduktionen und das Ergebnis bewegender Begegnungen, quälender Überlegungen, freudiger Entdeckungen, unnötiger und nötiger Verzögerungen, bis dann der innere Schub die Werke in die Welt setzte.

Die Arbeit an EXIT 16 begann 1993, als ich für das ZDF ein Porträt der Haudenosaunee-Klanmutter Dewasenta drehte, und den Freunden im Onondaga Nation Territory versprach, eines Tages mit einem langen Film zurück zu kommen, bei dem sie quasi als Redakteure fungieren würden. Haudenosaunee bedeutet "Menschen aus dem Langhaus" und ist die Bezeichnung, die jene, die wir Irokesen nennen, für sich welbst wählen.

Es folgten zwei Jahrzehnte, in denen das Filmprojekt zeitweise aus unseren Köpfen verschwunden war, bis 2008 die liegen gebliebenen Fäden wieder aufgenommen wurden, und im Herbst 2012 schließlich ein mehrköpfiges Nicken nach einer Vorführung in Onondaga die Arbeit gut hieß. Ihre Rolle als Redakteure haben die Beteiligten übrigens akribisch wahr genommen.

I AM THE INDIAN VOICE nahm seinen Anfang im Jahr 2000, als ich Leonard Peltier zusammen mit dem Fotografen Dick Bancroft im Gefängnis von Leavenworth, Kansas, besuchte und beim Rezitieren seiner Gedichte filmte. Die Gefängnisleitung nahm an der Videokamera keinen Anstoß, ließ uns beim Verlassen jedoch wissen, dass sie sein Buch "My Life is my Sundance" nicht erlaubt hätten, wenn sie es bei der Durchsuchung unseres Gepäcks entdeckt hätten. Dieser Besuch im Gefängnis war mein zweiter, der erste war 1994. Seit 2002 darf Leonard keine Journalisten mehr empfangen. 2008 sollte ich ihn als offizieller Vertreter des Menschenrechtsbüros der Stadt Nürnberg besuchen. Einen Tag vor dem angesetzten Termin, ich befand mich bereits in den USA, wurde mir der Besuch verweigert. Die angekündigte schriftliche Erklärung folgte nie.

Leonard ist seit 1976 in Haft ohne je einen fairen Prozess erhalten zu haben. Die Anklage des zweifachen Mordes an zwei FBI-Agenten konnte nicht aufrecht erhalten werden, die Strafe von "zweimal lebenslänglich" wurde dennoch aufrecht erhalten. Ich hoffe, mit dem Film die weltweite Bewegung "Free Leonard Peltier" zu unterstützen. Auf www.avaaz.org kann man seiner Solidarität Ausdruck verleihen und ein Begnadigungsgesuch an Präsident Baraka Obama unterschreiben.

Welcome back to the Biegertlodge!