2010 NFFA Window Rock Award Brochure, Ed Grothus

Willkommen in Los Alamos, der Stadt des Feuers

Ed Grothus

Ed Grothus, The Black Hole, Los Alamos, © Claus Biegert


»Wir waren alle kalte Krieger«, bekennt Ed Grothus, »wir haben alles getan, um immer bessere Bomben zu bauen«. Als 26-jähriger heuerte er 1949 in der geheimen Laborstadt Los Alamos in den Bergen von New Mexico an, wo Jahre zuvor im Rahmen des 'Manhattan Project' die Atombomben 'Fat Man' und 'Little Boy' entwickelt worden waren. Im August 1945 hatten die amerikanischen Streitkräfte Fat Man und Little Boy über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen; 300 000 Japaner kamen dabei ums Leben. Im Los Alamos National Laboratory war man später der Meinung, man habe den Friedens-Nobelpreis verdient, denn schließlich hätten die Bomben den Schrecken des 2. Weltkriegs ein drastisches Ende gesetzt. Von nun an regierte das Konzept des Kalten Krieges.

Ed Grothus glaubte zwanzig Jahre an die Abschreckung im Namen des Friedens. 1969, vom Vietnam-Krieg geläutert, kündigte er. Heute sagt er: »Atomare Abschreckung schafft Terroristen«. Heute ist er ein Warner vor dem nuklearen Holocaust. »Ich bin das Gewissen von Los Alamos«, sagt er, »und manchmal denke ich, ich bin der einzige, der nicht geisteskrank ist«. Jede Woche schreibt er Leserbriefe (»I call them epistels«) an die örtlichen Zeitungen und verkündet den Kunden im 'Black Hole' seine Botschaften. The Black Hole ist ein ehemaliger Piggly-Wiggly Supermarkt auf einer Anhöhe. Ed hat aus ihm einen Second Hand-Laden des Atomzeitalters gemacht: Hier verkauft er, was das Lab abstößt, denn regelmäßig wird wissenschaftliches Gerät durch neuere Modelle ersetzt. Er ist der 'fool on the hill' und hat die still gelegte Kirche neben dem Black Hole zur 'Church of Critical Mass' ernannt und sich selbst zum Bischof. An Clinton und Gore schickte er nach deren Eintritt ins Weiße Haus je eine Dose 'Organic Plutonium – cholesterol free, fat free, no artifical additives'. Darauf erschien der Secret Service im Black Hole und erkundigte sich, ob seine Familie durch Geisteskrankheit vorbelastet sei.

Der Scherz darf nicht ohne sein Umfeld gesehen werden: Ein Poster des Labors preist Plutonium Science als die Krönung der Naturwissenschaften an. Ed Grothus träumt von einem anderen Los Alamos: »Wir haben so brilliante Köpfe hier. Und was tun sie? Sie entwickeln Massenvernichtungswaffen! Ich will einen Think Tank, in dem auch Geisteswissenschaftler mitreden!«

Mit seinen Episteln hämmert er auf die Köpfe der Bürger ein und sorgt so dafür, dass seine Ideen die Runde machen. Von der einen Seite erntet er Hohn und Spott, von der anderen Jubel und Begeisterung. Ed Grothus ist ein zuverlässiger, bereichernder Bestandteil und unübersehbarer Farbklecks der Friedensbewegung in der von Militär und Radionukliden dicht durchsetzten Landschaft von New Mexico. Bald werden in Los Alamos zwei Obeliske in die Luft ragen: Ed hat diese »Rosettasteine des Atomzeitalters« in China anfertigen lassen: In fünfzehn Sprachen wird der Besucher begrüßt: Willkommen in Los Alamos, der Stadt des Feuers. Unsere Feuer sind heller als tausend Sonnen. Früher glaubte man, nur Gott könne die Welt vernichten, doch dann bändigten Wissenschaftler in Los Alamos die Kraft des Atoms....